Die Donau in Budapest ist zwar hübsch, aber mehr als sie anzuschauen oder mit den Schiffen des ÖPNV drüberzutuckern, kann man mit ihr nicht viel anstellen. Dafür muss man schon ein paar Kilometer flussauf- oder abwärts fahren. Wir fahren also flussaufwärts nach Felsögöd. Damit der Urlaub auch immer schön spannend bleibt, steige ich diesmal mit den zwei Zwergen an der falschen Haltestelle, nämlich in Göd aus. Das verwirrt zwar ein bisschen mein Abholkomitee, aber dafür sehe ich mehr von Göd.

Nach einem kurzen Spaziergang noch hoch auf den Deich und dann ist sie da, die Donau. Was für ein Ausblick.Donauufer in Felsögöd

Es ist ja klar, dass wenn Kinder sowas sehen, es für sie kein Halten mehr gibt. Sie rennen zu Ufer und bleiben dann abrupt an der Wasserkante stehen, wo sie gerade noch so nicht komplett nass und dreckig werden (aber wahrscheinlich auch nur, weil ich hinterhergeschrien habe). Dann wird das halbe Ufer ins Wasser geworfen: Steine, Muscheln, Äste – alles. Und dann wird im Sand herumgemantscht und herumgerannt und laut gelacht.

Am Donauufer

Gleich um die Ecke, keine 200 Meter entfernt – für die man dann doch einige Zeit braucht, weil es ist ja alles sooo spannend, oh hier noch ein Stein, ab damit in die Donau – kommt man dann zu einem kleinen Bistro. Bei der “Duna Csárda gibt es leckeren Fisch. Und, hach, einen eingezäunten Spielplatz. Diese sind echte Nervenretter für Eltern!

Lecker essen in der Duna Csárda

Am besten einen “Hekk” mit einer Portion Apfelpaprika bestellen. Dieser Fisch, von dem mir keiner genau sagen konnte, was für ein Fisch das ist, wird frittiert und schmeckt sehr, sehr lecker. Auch Kinder lieben “Hekk”.

Hekk für 340 HUF pro 100 Gramm - vorher

Es empfiehlt sich eine Flasche Mineralwasser zu diesem Menü. Nicht nur, um die Schärfe der Apfelpaprika zu neutralisieren, sondern auch, um sich nach dem Essen die Hände zu waschen. Es gibt zwar eine Toilette, aber hey, so ist es viel spannender!

Hekk für 340 HUF pro 100 Gramm - nachher

“Hekk” kostet 340 HUF pro 100 Gramm. Und damit offenbart sich ein weiteres spannendes Kapitel des Ungarnurlaubs: Einkaufen! In Ungarn wird sehr vieles in 10-Gramm-Schritten (auch “deka” genannt) bepreist und verkauft. Man sollte dabei db nicht mit dk verwechseln: db steht für darab und meint “Stück”, wohingegen dk für diese Grammeinheiten steht, meistens angegeben in 100 Gramm, also 10 dk.

Ein anderes spannendes Kapitel beim Thema Einkauf sind die Second Hand Läden: An gefühlt jeder Straßenecke gibt es einen, meistens heißen sie angol ruha, was soviel bedeuten soll, dass es sich dabei um englische Second Hand Klamotten handelt. Wenn ihr euch also immer schon mal gefragt habt, wo eigentlich die ganzen gebrauchten Klamotten laden – vielleicht in Budapest:

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Ein Pelzmantel für 20 Euro? Schmuck für ein paar Cent? Schuhpreis nach Kilo? Kein Problem! Ein Einkauf in so einem Laden ist wirklich ein Abenteuer. Oft sind diese Läden riesig und gut sortiert nach Männer/Frauen/Kindersachen und dann noch unterteilt in Art der Klamotten (Pullis, Hosen, Oberteile etc.) und dann noch nach Größe. So muss man sich nicht wundsuchen. Und man findet, wenn man etwas Geduld mitbringt, wahre Schätze. Vor allem Kinderklamotten findet man in diesen Second Hand Läden zuhauf. Ein echtes Einkaufsparadies! Besonders schöne Schätze habe ich den Second Hand Läden am Deák Ferenc tér gefunden (Bild oben) und in der Unterführung des Nyugati pályaudvar (Westbahnhof, in Richtung des Eingangs zum Einkaufszentrum “Westend”):

Second Hand Shop bei Nyugati pályaudvar

Von außen betrachtet, sind die Läden oft nicht einladend, aber hey, es lohnt sich wirklich (meistens)!

Budapest ist anscheinend auch die Hauptstadt des “Long Tail”. Da gibt es Läden, das glaubt man nicht. Wofür der gemeine Deutsche sofort bei Amazon schauen würde, gibt es in Budapest für alles ein Spezialgeschäft. Ein Geschäft nur für Rattanmöbel ist ja noch harmlos. Aber…

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… ein Geschäft nur für Hängematten?

Fachgeschäft für Hängematten

Man munkelt, dass Ungarn auch bald von Amazon erobert wird. Was dann mit diesen kleinen Läden passieren wird, wird wohl spannend. Viele können sich jetzt schon kaum halten und die riesigen Einkaufszentren sprießen immer noch wie Pilze aus dem Boden. Die kleinen süßen Läden geraten also von zwei Seiten unter Druck: Von den großen, auf kleinem Raum hochkonzentrierten Shoppingtempeln und von seiten des Internets, das auch in Ungarn immer dominanter wird.

Übrigens dürfen in Ungarn Tabakwaren auch nicht mehr in normalen Geschäften wie Aldi oder Tesco verkauft werden, sondern nur noch in “Nemzeti Dohánybolt” (Staatlicher Tabakladen). Zigaretten gibt es dort also nur hinter Milchglas – was vielleicht auch ein Grund dafür sein dürfte, dass es viel weniger Raucher gibt als noch bei unserem letzten Ungarnurlaub. Oder es liegt daran, dass eine Schachtel mit ca. 3 Euro plötzlich sehr viel teurer ist.

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Und das für Deutsche beste Special zum Thema Einkaufen: Alle Läden haben auch sonntags geöffnet :-)

Alle 11 Tage in Budapest:

Tag 0: Am Flughafen ankommen
Tag 1: Shoppen, Wochenticket, Westend und vergessene Badeanzüge
Tag 2: Aquaworld und Einkaufen
Tag 3: Einkaufen im Markt
Tag 4: Tropicarum und Szimpla Kert
Tag 5: Eleven Park
Tag 6: Spielplatzhopping und die Tücken des Spazierengehens
Tag 7: Király utca, Gozsdu udvar und die Budapester Synagoge
Tag 8: Göd und Einkaufen in Ungarn
Tag 9: Pfannkuchenfrühstück, Feneketlen tó und Patchwork-ÖPNV
Tag 10: Markthalle, Váci utca und Deák Ferenc tér
Tag 11: Zum Flughafen und bye bye Budapest