Mit Kindern geht Sightseeing ganz anders, als man es als Erwachsener gewohnt ist. Die Kleinen brauchen eine gute Mischung aus Spannung und Entspannung, sonst gibt’s Hörsturz wegen Kindergeschrei und kiloweise mitleidige Blicke in Bus und Bahn. Mit Kindern empfiehlt sich daher eine gechillte Aufteilung des Tages in Action, Ruhe, Spielen. Für uns hieß das an Tag 4: Zuerst ab ins Tropicarium.

TropicariumDort tummeln sich Haie, Schlangen, Alligatoren, Vögel, Affen und Fische, Fische, Fische. Am Wochenende ist die Hai-Höhle geöffnet – keine Ahnung, was man da genau zu sehen bekommt, denn wir waren an einem Dienstag dort. Das Highlight des Tropicariums ist der Tunnel, der unter einem Becken voller Haie und Rochen durchführt. Ganz am Ende, kurz bevor man das Tropicarium verlässt, kann man in einem offenen Becken sogar Rochen streicheln. Fühlt sich wie ein gigantischer, glitschiger Shiitake-Pilz an.

Happy Rochen?

Hinkommen ins Tropicarium: mit den Bussen 33, 133E, 213 und 233E bis zur Haltestelle Lépcsös utca. Gerade dann, wenn man glaubt, falsch zu sein, ist man genau richtig. Denn auf dem Weg zum Tropicarium fährt man durch halb Budapest und dann ist es plötzlich da: ein riesiges Einkaufszentrum. Darin befindet sich ganz links das Tropicarium.

Nach dem Tropicarium ging es dann für uns wieder ab in die Innenstadt. Und zwar zu einem der, wie ich finde, sehenswertesten Locations von Budapest überhaupt! Szimpla Kert ist ein Club, Restaurant, Kino, Treffpunkt, eine Bar, Disco, Installation, Galerie, Konzertbühne – oder kurz: Ein lebendes Gesamtkunstwerk.

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Tausende von Besuchern haben sich in den halb verfallenen Räumen des Szimpla verewigt, Künstler stellen dort ihre Bilder und Videoinstallationen aus, ab März gibt es dort regelmäßig Konzerte, DJs legen auf – es ist einfach unglaublich! In wirklich jeder Ecke gibt es etwas zu sehen, zu entdecken, sogar auf der Toilette!

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Graffiti, Kunst und Krimskrams überall. Das Szimpla ist das beste Beispiel dafür, dass „abgewrackt“ eine tolle Geschäftsidee sein kann. Denn das Gebäude, in dem es sich befindet, ist, nun ja, renovierungsbedürftig. Aber genau das macht seinen Charme aus und steht meiner Meinung nach so sehr für Budapest wie kaum etwas anderes. Hier drinnen sprüht das Leben auch wenn die Fassade draußen abbröckelt. So what? Es gibt wichtigeres im Leben.

Hinkommen ins Szimpla Kert: 1075 Budapest, Kazinczy utca 14: Haltestelle Astoria (Tram 47 und 49) und dann noch ein paar hundert Meter laufen.

Das Szimpla von außen

Das Szimpla gefällt auch den Kleinen: All die bunten Wände und Stühle, die verwinkelten Treppen und Lichter wirken gerade hypnotisierend auf kleine Kinder. Unser zweijähriger Zwerg ist staunend durch die Räume gelaufen und hat uns bei jedem interessanten Fund zu sich gerufen und gefragt, was das sei. Tja, ähm… Eine barbusige Galionsfigur mit Papierdreadlocks? Ein Overheadprojektor auf einer Empore? Ein verrostetes Fahrrad an der Wand? Irgendwann half nur noch die Erklärung: Das ist Kunst.

Lichtinstallation im Szimpla - oder doch nur eine Lampe?

Apropos Kunst: So toll die Sehenswürdigkeiten in Budapest auch oft sind, so ungewohnt sind die dazugehörigen Webseiten. Ob Tropicarium, SzimplaAquaworld, Westend oder andere Seiten – wohin man auch klickt, kann man mit dem Kopfschütteln oft gar nicht mehr aufhören. Es ist wahnsinnig mühselig, die gesuchten Informationen zusammenzukratzen. Wir suchen die Anfahrt – also klicken wir auf “Karte”. Das Ergebnis: Eine Karte der Inneneinrichtung. Oder ein Screenshot (!) von Google Maps. Oder wir suchen die Adresse und klicken auf Kontakt oder Impressum. Es erscheint der Name der Agentur, die die Webseite programmiert hat – und zwar nur dieser Name. Öffnungszeiten sind auch oft Glückssache. Oder, noch krasser: Viele Einrichtungen haben gar keine Webseite. Auf die Frage, ob die denn eine Visitenkarte hätten, antworten uns z.B. die Inhaber des Bistros Bier.Lak, dass alle Infos auf ihrer Facebookseite stünden. Facebook steht in Ungarn (noch?) sehr hoch im Kurs, während bei uns in Deutschland die Sache schon ganz anders aussieht. Facebook wird in Deutschland, wenn überhaupt noch, dann nur noch als schmückendes Beiwerk gesehen, aber nicht als Hauptanlaufstelle für Information. Insofern ist auch diese Entdeckung ein Bruch mit meinen Sehgewohnheiten, werden wir hier schließlich auf Schritt und Tritt an irgendwelche Facebook-Seiten verwiesen. Hingegen Twitter? Oder Blogs? Nö.

Alle 11 Tage in Budapest:

Tag 0: Am Flughafen ankommen
Tag 1: Shoppen, Wochenticket, Westend und vergessene Badeanzüge
Tag 2: Aquaworld und Einkaufen
Tag 3: Einkaufen im Markt
Tag 4: Tropicarum und Szimpla Kert
Tag 5: Eleven Park
Tag 6: Spielplatzhopping und die Tücken des Spazierengehens
Tag 7: Király utca, Gozsdu udvar und die Budapester Synagoge
Tag 8: Göd und Einkaufen in Ungarn
Tag 9: Pfannkuchenfrühstück, Feneketlen tó und Patchwork-ÖPNV
Tag 10: Markthalle, Váci utca und Deák Ferenc tér
Tag 11: Zum Flughafen und bye bye Budapest