Ach, Aquaworld. Der Ort an dem Wasserrutschen so abenteuerlustige Namen tragen wie UFO und Black Hole. Wo es für unsere Zwergdame an der Kasse, nachdem sie einen kurzen Blick in die Schwimmhalle werfen konnte, kein Halten mehr gab und sie unbedingt sofort JETZT da rein wollte. Wo mir bei der “Zwiebelrutsche” das Herz einen Schlag ausgesetzt hat und ich dann kopfüber ins Wasser geplatscht bin und die Freuden des Orientierungsverlustes unter Wasser erleben durfte. Kurz gesagt: ein großer Spaß! Für Groß und Klein. Das perfekte Ausflugsziel für verregnete Tage. Im Sommer ist der Außenbereich auch sehr super. Weniger super ist die etwas seltsame Preispolitik: Es gibt ein 2-Stunden-Ticket das am Wochenende 2.990 HUF kostet, also 10 Euro. Unter der Woche ist dieses Ticket einen Euro günstiger. Aber hey: 2 Stunden? Für so ein riesiges Wasserparadies? Das Tagesticket kostet dann gleich 5.690 HUF, also fast 20 Euro. Aber für die schwäbischen Rechenexperten gibt es noch die Zwischendrin-Lösung: Das 2-Stunden-Ticket und dann für jede darüber hinausgehende Minute 20 HUF (ca. 6 cent). Ist für drei Stunden (länger halten kleine Kinder sowieso nicht durch) eine prima Lösung.

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Hinkommen: Mit dem 230er Bus z.B. von der Metro-Haltestelle “Keleti pályaudvar” (Vorsicht: viele, viele Bus-Haltestellen to go) oder von “Hösök Tere” (5 Bus-Haltestellen weniger) oder von “Újpest Központ” (dann sind es nur noch 11 Haltestellen).

Die Badeanzüge für dieses Abenteuer haben wir dann doch nicht im Tesco, sondern im Duna Plaza gekauft. Das ist ein Shoppingcenter von denen es gefühlt in Budapest an jeder Straßenecke eines gibt.

Duna Plaza

Für deutsche Sehgewohnheiten ist nicht nur die Anzahl dieser Shoppingtempel ungewohnt, sondern auch ihre Größe – und die Preise: Denn supergünstig ist Shoppen in Budapest schon lange nicht mehr. Man muss mit Preisen wie zu Hause rechnen. Und nicht nur Mode ist so teuer wie bei uns. Auch Lebensmittel sind, wenn es nicht gerade Grundnahrungsmittel sind, die in Ungarn wachsen, noch teurer als bei uns! Schokolade, Joghurt, Müsli, Gummibärchen (200gr-Tüte: 399 HUF = 1,30 Euro. Bei uns kriegt man 300gr für ca. einen Euro), Nudel – alles ist pi mal Daumen 30 % teurer als bei uns. Die große Quizfrage lautet daher: Wie können Ungarn mit einem Durchschnittseinkommen von nur ca. 600 Euro die gleichen bzw. teurere Preise zahlen wie Deutsche die ungefähr ein doppelt so hohes Nettoerwerbseinkommen haben?

Ebenfalls ungewohnt für deutsche Sehgewohnheiten ist das krasse Aufeinandertreffen von supermodern und superabgefuckt – und diesen Clash gibt es in Budapest unheimlich oft. Beispiel Duna Plaza: Keinen Steinwurf von einem der bekanntesten Shoppingcenter der Stadt entfernt ist dahinter, neben dem Parkplatz, eine Ruine. Die steht schon seit Jahren dort, verlassen und verwildert. Man fragt sich, wie ein Platz an so einem begehrten Ort ungenutzt bleiben kann. Aber bevor man noch länger darüber nachdenkt, erfreut man sich der abgewrackten, instagram-geeigneten Ruinen-Optik:

Panorama der Ruine hinter dem Duna Plaza

Budapest – ein anspruchsvolles Training fürs verwöhnte West-Auge. Alles ist noch größer, noch wilder, noch älter, noch lauter als bei uns. Dieses heftige Aufeinanderprallen von alt und neu, teuer und abgewrackt ist wirklich faszinierend.

Alle 11 Tage in Budapest:

Tag 0: Am Flughafen ankommen
Tag 1: Shoppen, Wochenticket, Westend und vergessene Badeanzüge
Tag 2: Aquaworld und Einkaufen
Tag 3: Einkaufen im Markt
Tag 4: Tropicarum und Szimpla Kert
Tag 5: Eleven Park
Tag 6: Spielplatzhopping und die Tücken des Spazierengehens
Tag 7: Király utca, Gozsdu udvar und die Budapester Synagoge
Tag 8: Göd und Einkaufen in Ungarn
Tag 9: Pfannkuchenfrühstück, Feneketlen tó und Patchwork-ÖPNV
Tag 10: Markthalle, Váci utca und Deák Ferenc tér
Tag 11: Zum Flughafen und bye bye Budapest