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Montag, November 30, 2009

Saw VI (2/10)






















Grobe Blutwurst mit knackigen Stückchen, extra moralinsauer.

Oder: Der wohl längste Werbefilm für Barack Obamas Gesundheitsreform. Denn mit einer allgemeinen Krankenversicherung wäre das nicht passiert.

Ich habe mich schon besser gegruselt. Weitaus besser. Und schlimmer gelangweilt. Aber nicht arg.

Und sowieso. Ich habe ja so meine Probleme mit den Saw-Filmen. Diese Vorstellung von Moral und diese absurden, tödlichen Umerziehungsmaßnahmen mit NULL Lerneffekt sind nicht gerade meine Vorstellung einer lebenswerten Gesellschaft. Wenn jemand das Gewaltmonopol brutal an sich reißt, nur weil er einen persönlichen Verlust aufgrund der Dummheit/Ignoranz/Blablabla seiner Mitmenschen erlitten hat, ist das das Gegenteil einer Welt, in der ich leben will.
Wohin eine Kultur der persönlichen Rache führt, in der das Prinzip des Tötens aus vermeintlich höheren Motiven als Erblast bzw. ehrenwerte Pflicht weitergereicht wird, sieht man, wenn man 10 Minuten Nachrichten schaut. Im Saw-Universum nennt sich das Gerächtigkeit.
Man braucht definitiv keine hyperkonstruierte Fortsetzungsorgie, die von Mal zu Mal gagaesker wird, um das Prinzip der Selbstjustiz ad absurdum zu führen. Oder unterstelle ich da dem Saw Franchise zuviel Gesellschaftskritik?

Ach was, Gesellschaftskritik. Saw braucht einfach nur ein einigermaßen halbgar konstruiertes Setting, um seine metallischen (und chemischen!) Konstruktion zum feucht-fröhlichen Massaker antreten zu lassen. Wie gut passt da ein knallhart kalkulierender Geschäftsführer einer Krankenversicherung ins Beuteschema, der Patienten im Krankheitsfall aus Kostenoptimierungsgründen die womöglich lebensrettende Behandlung versagt? Eben. Sehr gut. Was für ein Werdegang: Da wird jemand, der über Leben und Tod entscheidet, selber zum Opfer. Dass er moralisch nicht ganz einwandfrei handelt, ist wohl so jedem klar. Dass ihm aber dafür gleich der Torso mit chemischer Säure aufgelöst gehört, ist dagegen nicht so einleuchtend. Oh, das war jetzt ein Spoiler. Sorry.

Was lernen wir aus diesem Film? Nichts neues. Es wird nur Altbekanntes aufgewärmt: Auf dem Papier entscheidet es sich leichter über das Schicksal anderer Menschen. Würden wir in dem Bettler an der Straßenecke einen Verwandten erkennen, würden wir ihm - natürlich! - sofort helfen. Aber Unbekannten, zu denen wir keine persönliche Verbindung haben, reichen wir eben nicht so spontan die Hand. Man weiß ja nie und sowieso.

Einem cineastischen Omnivor wie mir kann man eigentlich alles zum Fraß vorwerfen. Leider bewegt sich Saw VI ganz hart an der Grenze des Erträglichen. Drei Leute unserer Fünfergruppe sind in den ersten 5 Minuten aus dem Kino geflüchtet. So etwas gab es zuletzt (und zuerst) bei Lucky Luke. Ich habe bis zum bitteren Ende durchgehalten und fühlte mich am Ende, als hätte ich einen Orden verdient.

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