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Dienstag, November 10, 2009

66/67 (1/10)























Jeder der einwendet, ich sei eine Frau und daher für Fußballfilme nicht empfänglich, dem sei gesagt: Fußball und ich - das war eine leidenschaftliche Liebesgeschichte bis ... tja, bis ich erwachsen wurde und mir dachte: ne, von Kopfbällen wird man doch nur ballaballa.

So, und nun zur Rezension:

Ich will ja echt niemandem zu nahe treten. Aber. Dieser Film hat mich ganz furchtbar gelangweilt.

Wenn Männer nichts mehr haben, haben sie immerhin noch den Fußball, ihren lokalen Fußballclub (in diesem Film schlagen alle Männerherzen für Braunschweig), ihre Wehmut an glanzvolle Zeiten, die sie gar nicht selbst miterlebt haben und ihre Schlägereien unter Freunden. Dass das keine Basis für ein langes, gesundes Leben ist, ist klar. Aber nicht jedem. So manches Männerhirn wird vom Abstiegskampf seines Lieblingsvereins derart in Anspruch genommen, dass er siegessicher seiner Freundin einen Heiratsantrag macht - vor dem ganzen Stadion. Um dann, natürlich, abzublitzen. War ja klar, Alter! Aber es gibt ja bekanntlich kein Problem, das sich mit Gewalt nicht lösen ließe.

Es ist halt so eine Sache mit dem Erwachsenwerden. Es gibt einige, die sich bis in ihre 30er mit fadenscheinigen Argumenten davor drücken, Verantwortung zu übernehmen und verstecken ihr Diplom der Ingenieurswissenschaften lieber unter dem Bett. Ansonsten könnte man doch tatsächlich genötigt werden, arbeiten zu gehen. Dann schon lieber das Leben hinauszögern mit dem Argument: Mein Verein braucht mich. Dabei ist es genau andersrum. Hooligans brauchen ihren Verein, weil sie sonst alleine und mit leeren Händen dastehen. Und dann - Fußballgott bewahre! - müsste man sich ernsthafte Gedanken über seine eigene Zukunft machen.

Zwischendrin wird noch ein bisschen das Thema Homosexualität angeschnitten - ein ganz gefährliches Pflaster im testosteronstrotzenden Fußballmilieu. Während ich mir überlege, ob ich zum ersten Mal seit langer, langer Zeit aus einem Sneakfilm flüchten sollte, drängelt sich das Thema Barebacking in den Film und ich werde von links gefragt, ob es sowas wirklich gibt. Ja. Dann artet die Gewaltorgie komplett aus und Braunschweig ist doch nicht abgestiegen.

Ganz, ganz selten blitzt da mal was auf. Ein Fünkchen Potential, das aber sofort ausgetreten wird. Zum Beispiel durch den Nuschelton. Stellenweise sind die Schauspieler derart schlecht zu verstehen, dass man seinen letzten Nerv dafür opfern muss, das Genuschel zu entziffern. Natürlich tappt auch dieser Film in die Überlängefalle. Zwei Stunden Warten auf einen Spannungsbogen können ganz schön lang sein.

Männerfreundschaft, Fußball, Gewalt. Eigentlich ein Knallertrio fürs Kino. Aber in diesem Fall ein lascher Eintopf, der am Ende nach nichts schmeckt. Ich denke, der Film hätte mit einigen kleinen Veränderungen ganz gut werden können. Aber leider lautet mein Fazit: Der Film ist ein Hooligähn.

2 Comments:



Anonymous Christian said...

Wir danken für das verstecke Wort des Tages: Hooligähn. :)

November 15, 2009 3:03 PM  


Blogger sympatexter said...

Da konnte ich einfach nicht widerstehen ;-)

November 16, 2009 2:14 PM  

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