Wort des Tages: Fieskus

Wahrnehmung des Finanzamtes in der Bevölkerung das kleine Vergehen meist schnell und hart bestraft, große “Steuersünder” hingegen oft relativ milde davonkommen lässt.

Budapest mit Kinder: Tag 11 – Zum Flughafen und bye bye Budapest

Der letzte Tag in Budapest beginnt mit einem zünftigen Reste-Essen. Der Kühlschrank muss schließlich geleert werden. Tomatensalat, Omlett und Avocadocreme. Dazu Brötchen vom Vortag und ein Kilo Mandarinen. Mit einem *rülps* vollen Magen gehts dann ein letztes Mal auf einen Spielplatz bei uns in der Gegend. Wir erfreuen uns daran, dass unsere Zwergdame mittlerweile sooo gut ungarisch spricht und sich rotzfrech Spielzeug von anderen, na, sagen wir “klausleiht”.

Spielplatz

Dann müssen wir auch schon langsam zum Flughafen aufbrechen. Und die Frage lautet: Öffentlicher Nahverkehr? Wir müssten mindestens zwei mal umsteigen – ziemlich uncool mit Rucksäcken, Handtasche, einem Kleinkind im Buggy und einem Baby in der Manduca. Also: Taxi!

Seit dem Herbst 2013 gilt in Budapest ein einheitlicher Tarif für Taxis: 280 HUF pro Kilometer bei 450 HUF Grundkosten (quasi fürs Einsteigen). Also, zumindest bei “Főtaxi“. Das sind die gelben Taxis die den Tarif gut sichtbar durch die Gegend spazierenfahren. Da kann man bedenkenlos einsteigen. Für iOS und Android gibt es die FŐTAXI-App mit der Telefonnummer. Diese App funktioniert genauso wie bei uns MyTaxi. Es empfiehlt sich dringend, mit FŐTAXI zu fahren, um nicht Opfer der Budapester Taxihyänen zu werden. Oder, wenn man Lust auf Abenteuer hat: man verhandelt mit einem Fahrer eines andersfarbigen Taxis schon vor Fahrtbeginn. Gute Ungarischkenntnisse werden empfohlen. Und nicht vergessen: Außerhalb von Budapest gilt ein höherer Tarif. Deshalb immer schön darauf achten, dass der Taxifahrer innerhalb von Budapest nicht mit dem höheren Tarif fährt.

Ferenc Liszt Flughafen in Budapest

Wenn man es dann ohne größere Nervenverluste zum Ferenc Liszt Flughafen geschafft hat, empfiehlt sich ein kleiner Abstecher in die Kinderspielecke. Diese befindet sich auf der oberen Etage und ist sehr gut ausgestattet (ja, sogar mit einem Fernseher). Eltern können sich praktischerweise direkt neben der Spielecke einen Kaffee gönnen und den Kindern beim Spielen zuschauen. Toiletten und Wickeltische sind auch gleich um die Ecke.

Kinderecke im Liszt Ferenc Flughafen

Und dann wird es auch schon Zeit für uns, diese schöne Stadt zu verlassen. Wir haben so viel erlebt und gesehen. Dabei haben wir soooo viel noch nicht gesehen: Das Kackac Játszóház, den Palast der Wunder, die Spielplätze auf dem Gellért-Hügel, die tollen Freibäder, die Margareteninsel usw. Aber dank einer unverhofften Hochzeitseinladung steht unser nächster Ausflug nach Budapest bereits fest: Viel früher als gedacht werden wir schon im September diesen Jahres zurückkehren und neue Seiten dieser riesengroßen und spannenden Stadt erkunden.

Das waren 11 Tage in Budapest:

Tag 0: Am Flughafen ankommen
Tag 1: Shoppen, Wochenticket, Westend und vergessene Badeanzüge
Tag 2: Aquaworld und Einkaufen
Tag 3: Einkaufen im Markt
Tag 4: Tropicarum und Szimpla Kert
Tag 5: Eleven Park
Tag 6: Spielplatzhopping und die Tücken des Spazierengehens
Tag 7: Király utca, Gozsdu udvar und die Budapester Synagoge
Tag 8: Göd und Einkaufen in Ungarn
Tag 9: Pfannkuchenfrühstück, Feneketlen tó und Patchwork-ÖPNV
Tag 10: Markthalle, Váci utca und Deák Ferenc tér
Tag 11: Zum Flughafen und bye bye Budapest

Wort des Tages: AHAndwerker

Böse Überraschung bei Hausbau, Schlüsseldienst, Reparatur etc. in Form von schlampiger Arbeit, miesem Service und überhöhter Rechnung.

Budapest mit Kindern: Tag 10 – Markthalle, Váci utca und Deák Ferenc tér

An unserem letzten vollen Tag haben wir es tatsächlich geschafft, uns “richtige” Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Unsere erste Station ist die Markthalle. Im Erdgeschoss gibts Lebensmittel in allen möglichen Dareichungsformen zu kaufen, z.B. lächelnde Apfelpaprika:

Stand in der Markthalle mit lachenden Apfelpaprika

In dieser Markthalle sieht man sehr schön, dass die Ungarn gerne, viel und scharf essen. Vor allem essen die Ungarn gerne deftig und salzig. Was in jedes ungarische Essen rein muss sind Zwiebeln, Knoblauch oder Paprika. Und natürlich Fleisch, Fleisch, Fleisch. Daher ist das ungarische Nationalgericht natürlich auch eine Kombination all dieser Zutaten: Pörkölt – übersetzt wird es mit Gulasch und darunter verstehen viele Deutsche eine Suppe. Das wäre dann zurückübersetzt “Gulyás” was zwar eine Suppe, aber kein Pörkölt ist.

Markthalle

Die Markthalle steht am Ende der Váci utca, quasi der Touristenmeile. Hier kann man überteuert essen und Souvenirs kaufen, die man in jeder anderen Großstadt auch findet. Das Lokalkolorit beschränkt sich meistens auf den “Budapest”-Schriftzug und schlechte Wechselkurse. Die Straße an sich ist jedoch sehr sehenswert. Hier passiert es wieder: der heftige Zusammenstoß aus alt und neu, schön und unglaublich hässlich.

Schön sind z.B. viele Gebäude. Deutsche Augen sind so große architektonische Schönheit in solcher Masse meist überhaupt nicht gewohnt, was dann oft zu sehr großen Augen führt. Touristen erkennt man sehr gut daran, dass sie oft nach oben schauen. Dabei entdecken sie oft wunderschöne Details an den Gebäuden. Wenn man dagegen mit einem Ungarn die Váci utca entlangläuft und auf ein solches Detail hinweist, kommt fast immer ein “ach, das ist mir noch nie aufgefallen”.

WP_20140310_11_00_55_Pro

Etwas, das die Architektur in Budapest auszeichnet, ist die versteckte Schönheit. Die Gebäude in der Innenstadt haben oft nicht nur eine wunderschöne Fassade, sondern auch beeindruckende Treppenhäuser und oft auch antike Aufzüge. Und, was auch sehr typisch ist, große Innenhöfe. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, sollte man unbedingt einen Blick hinter die Gebäudetore werfen. Dort offenbart sich oft ein Mikrokosmos aus bunt zusammengewürfelten Blumentöpfen, verzierten Geländern und Sitzgelegenheiten.

Hinterhof in Budapest

In die Altbauten kommt man meistens durch Stahltüren. Wenn man Glück hat, sind diese reich verziert…

Schöne Türen

… oder im kommunistischen Minimalstil gehalten.

Seltsame Türen

Trotz des architektonischen Wildwuchses dominiert das Schöne in der Innenstadt.

Häuserschluchten in Budapest

Am Vörösmarty tér endet die Váci utca. Wir schlagen dann den Weg leicht rechts ein, gehen am József Nádor tér vorbei und landen, wie es der Zufall so will, beim Spielplatz am Hild tér. Hier kriegt die Zwergdame Ausgang und schnorrt sich von anderen Kindern Kekse während die Eltern die Beine hochlegen und entspannt die ersten, warmen Sonnenstrahlen des Frühlings genießen.

WP_20140310_12_45_16_Pro

Vom Hild tér geht’s quer über den Erzsébet tér zum Deák Ferenc tér (tér = Platz. Man sieht schon: Die Ungarn lieben große, weite Plätze). In meiner Teenagerzeit kamen hier noch die Fernbusse an. Heute dagegen am weniger schönen und weniger zentralen Népliget.

Am Deák Ferenc tér

Der Deák Ferenc tér ist auch wieder ein kleiner ungarischer Mikrokosmos. Man sieht Arbeiterkolonnen aus “Közmunkások” die Beete bepflanzen - quasi wie bei uns die 1€-Jobber denen die Sozialhilfe gekürzt wird, wenn sie diese Jobs nicht machen. Hin und wieder sieht man Obdachlose, die aber schnell vertrieben werden. In einer Ecke tummeln sich junge Skater. Dann wieder ein klitzekleines Metallgerüst um einen Baum, das Hunderte Verliebte mit Schlössern als Symbol ihrer Liebe behangen haben. Woanders aufhängen ist verboten und wird sofort entfernt.

Liebesschlösser am Deák Ferenc tér

Und irgendwie kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass dem jugendlichen Überschwang und seiner Subkultur nur wenig Raum gegönnt wird: Skaten – ja, aber bitte nur auf diesen kleinen Flächen sonst gibts Ärger. Und die Liebesschlösser kennt man aus anderen Städten auch in etwas anderer Form: Da werden ganze Brückengeländer hoch und runter behangen und entwickeln sich mehr und mehr zu einer ganz eigenen Sehenswürdigkeit. Was in anderen Städten stillschweigend und teilweise wohlwollend geduldet wird, wird in Budapest, so scheint es mir, viel stärker in die Schranken gewiesen und reglementiert. Ob Hip Hop, Techno, Graffiti, Guerilla Knitting, Surfen, Skateboarding oder was auch immer – es ist doch oft die Grenzüberschreitung, das Anarchische und die Subkultur, aus der Neues erwächst.

Alle 11 Tage in Budapest:

Tag 0: Am Flughafen ankommen
Tag 1: Shoppen, Wochenticket, Westend und vergessene Badeanzüge
Tag 2: Aquaworld und Einkaufen
Tag 3: Einkaufen im Markt
Tag 4: Tropicarum und Szimpla Kert
Tag 5: Eleven Park
Tag 6: Spielplatzhopping und die Tücken des Spazierengehens
Tag 7: Király utca, Gozsdu udvar und die Budapester Synagoge
Tag 8: Göd und Einkaufen in Ungarn
Tag 9: Pfannkuchenfrühstück, Feneketlen tó und Patchwork-ÖPNV
Tag 10: Markthalle, Váci utca und Deák Ferenc tér
Tag 11: Zum Flughafen und bye bye Budapest

Budapest mit Kinder: Tag 9 – Pfannkuchenfrühstück, Feneketlen tó und Patchwork-ÖPNV

Ein Urlaub in Budapest ohne Pfannkuchen geht zwar, ist aber nur halb so lecker. An Tag 9 starten wir also mit einem Frühstück bei Nagyi Palacsintázója. Normalerweise mampfen wir immer am Batthyány tér (Straßenbahn 49 bzw. Metro 2) aber diesmal haben wir das Frühstück ins Westend Einkaufszentrum verlagert.

Nagyi Palacsintázója - Vorher

Insgesamt 5 Pfannkuchen haben den Weg in unsere Mägen und Herzen gefunden.

Pro-Tipp: Für den Genießer empfehlen sich 2 Pfannkuchen. Für den Hungrigen 4 bis x Stück. Kosten jeweils, je nach Inhalt, ca. 250 HUF, also unter einem Euro. Unbedingt die “gesztenyés palacsinta” probieren, das ist mit Kastanien/Maronen. Die mit Marzipan-Füllung hat auch gemundet. Und alles mit Mohn ist auch sehr zu empfehlen. Nur echt mit Puderzucker, Schokostreuseln und Kirschen!

Nagyi Palacsintázója - Nachher

Dann, wie es der Zufall so will, landen wir irgendwie immer am Deák Ferenc tér. Das ist die Haltestelle, bei der sich die drei Metros treffen. Hier wuseln die Menschen durch die unterirdischen Gänge und die Rolltreppen schaufeln jeden Tag Zehntausende Menschen rein und raus aus der Haltestelle.

Pro-Tipp: Am Deák Ferenc tér immer schön auf die Wertsachen achten. Bei dem Gedränge lauern gerne Taschendiebe auf Touristen. Und Vorsicht beim Metrofahren: Auf gar keinen Fall nahe der Türen mit dem Smartphone herumspielen. Kurz bevor die Wagentüren schließen, reißen Diebe den Fahrgästen die Handys aus den Händen und flitzen gerade noch so aus dem Wagen. Und weg ist das Handy.

Deák Ferenc tér

Budapest ist eine einzige Umsteige-Orgie. Die Metros sind sozusagen die Hauptschlagadern der Stadt. Dann gibt es noch Trams, Straßenbahnen und eine Zahnradbahn. Und unzählige Varianten von Bussen: kleine Busse, große Gelenkbusse, moderne mit elektronischen Anzeigetafeln (wir mussten trotzdem rätseln, was die nächste Haltestelle ist), schrottreife Metallhaufen (die im Winter an den Endhaltestellen den Motor nicht abstellen dürfen weil sonst der Motor versagen könnte), Trolley-Busse usw. In Budapest gibt es eine unglaubliche Variation an verschiedensten ÖPNV-Transportmitteln die durch die Straßen wuseln.

ÖPNV in Budapest

Selbst die Metro ist ein kunterbunt zusammengewürfelter Haufen: Die Linie 1 war nach London die zwei Metro weltweit. Die Wägen sind zwar nicht mehr die Original-Wägen von damals, aber zumindest gefühlt sehr, sehr nah dran. Alles ruckelt und schaukelt, es ist laut und eng – aber was für ein Erlebnis! Die Haltestellen sind übrigens wunderschön! Man kann gar nicht glauben, dass diese Linie Ende des 19. Jahrhunderts in nur zwei Jahren gebaut wurde und fragt sich: Warum braucht man heute für eine halb so lange Strecke doppelt so lang? Die M2 ist das reinste Kontrastprogramm: modern, sauber und bequem. Die 3er-Metro dagegen ist irgendwo zwischen den beiden anderen Metros angesiedelt: Gebaut in den 70ern (6 Jahre für 6 Haltestellen!) sieht sie, nun ja, kommunistisch aus. Ab und zu bleiben die Wagen der 3er-Metro angeblich auch stehen und man munkelt, sie sei auch schon ein paar mal ausgebrannt. Menschen wurden nicht verletzt, man muss sich also keine Sorgen machen, ein Ausflug mit der 3er-Metro ist ein eher ungefährliches Abenteuer.

M3 - die 3er-Metro in Budapest

Und das neueste Mitglied in der großen, bunten Patchworkfamilie des Budapester ÖPNV erblickt auch schon bald das Licht der Öffentlichkeit: Die Metro 4. Schon seit vielen, vielen Jahren wird daran gebaut. Immer wieder gab es Rückschläge, technische Pannen, Skandale. Viel zu spät und viel zu teuer soll sie also dieses Jahr im April (pünktlich zu den Wahlen) eröffnet werden. Allerdings müssen die Wägen sich erst noch im Testlauf bewähren. Von der nötigen (ich glaube) eine Million an Kilometern, die sie fehlerfrei laufen müssen, ist gerade mal knapp die Hälfte absolviert. Es bleibt also spannend! Auch in unserer Nähe, am Móricz Zsigmond tér, soll demnächst die 4er-Metro fahren. Die neuen, schicken Haltestellen wecken auf jeden Fall schon mal recht hohe Erwartungen.

Metro 4 - coming soon to your neighborhood!

Wir haben den 9. Tag ganz lässig ausklingen lassen. Freunde haben uns zum Feneketlen tó, also zum bodenlosen See geführt (in der Nähe von Móricz Zsigmond tér). Dort gibt es einen tollen Spielplatz (für Eltern sind das die einzig wahren, wichtigen Fixpunkte bei einem Urlaub mit Kindern) der natürlich wieder eingezäunt ist. Klingt komisch, ist aber toll! In Budapest ist mittlerweile fast jeder Kinderspielplatz umzäunt und wird nachts abgeschlossen. So wird weniger randaliert und zerstört und Eltern müssen sich nicht immer Sorgen machen, dass die Kinder auf die Straße rennen. Und der See ist zum Glück auch eingezäunt. So kann man ganz entspannt einen Spaziergang drumherum machen, ohne dass die Kinder auf der Jagd nach Enten im Wasser landen. Beim Steg gibts einen Automaten mit Entenfutter (100 HUF bzw. 1 Euro. Bisher der schlechteste Wechselkurs, der uns begegnet ist ;-)

A feneketlen tó

Obwohl wir wirklich jeden Tag am Móricz Zsigmond körtér vorbeifahren, ist dieser See bisher völlig an uns vorbeigegangen. Und so entdecken wir bei jedem Urlaub noch mehr tolle Orte in Budapest.

Alle 11 Tage in Budapest:

Tag 0: Am Flughafen ankommen
Tag 1: Shoppen, Wochenticket, Westend und vergessene Badeanzüge
Tag 2: Aquaworld und Einkaufen
Tag 3: Einkaufen im Markt
Tag 4: Tropicarum und Szimpla Kert
Tag 5: Eleven Park
Tag 6: Spielplatzhopping und die Tücken des Spazierengehens
Tag 7: Király utca, Gozsdu udvar und die Budapester Synagoge
Tag 8: Göd und Einkaufen in Ungarn
Tag 9: Pfannkuchenfrühstück, Feneketlen tó und Patchwork-ÖPNV
Tag 10: Markthalle, Váci utca und Deák Ferenc tér
Tag 11: Zum Flughafen und bye bye Budapest

Budapest mit Kindern: Tag 8 – Göd und Einkaufen in Ungarn

Die Donau in Budapest ist zwar hübsch, aber mehr als sie anzuschauen oder mit den Schiffen des ÖPNV drüberzutuckern, kann man mit ihr nicht viel anstellen. Dafür muss man schon ein paar Kilometer flussauf- oder abwärts fahren. Wir fahren also flussaufwärts nach Felsögöd. Damit der Urlaub auch immer schön spannend bleibt, steige ich diesmal mit den zwei Zwergen an der falschen Haltestelle, nämlich in Göd aus. Das verwirrt zwar ein bisschen mein Abholkomitee, aber dafür sehe ich mehr von Göd.

Nach einem kurzen Spaziergang noch hoch auf den Deich und dann ist sie da, die Donau. Was für ein Ausblick.Donauufer in Felsögöd

Es ist ja klar, dass wenn Kinder sowas sehen, es für sie kein Halten mehr gibt. Sie rennen zu Ufer und bleiben dann abrupt an der Wasserkante stehen, wo sie gerade noch so nicht komplett nass und dreckig werden (aber wahrscheinlich auch nur, weil ich hinterhergeschrien habe). Dann wird das halbe Ufer ins Wasser geworfen: Steine, Muscheln, Äste – alles. Und dann wird im Sand herumgemantscht und herumgerannt und laut gelacht.

Am Donauufer

Gleich um die Ecke, keine 200 Meter entfernt – für die man dann doch einige Zeit braucht, weil es ist ja alles sooo spannend, oh hier noch ein Stein, ab damit in die Donau – kommt man dann zu einem kleinen Bistro. Bei der “Duna Csárda gibt es leckeren Fisch. Und, hach, einen eingezäunten Spielplatz. Diese sind echte Nervenretter für Eltern!

Lecker essen in der Duna Csárda

Am besten einen “Hekk” mit einer Portion Apfelpaprika bestellen. Dieser Fisch, von dem mir keiner genau sagen konnte, was für ein Fisch das ist, wird frittiert und schmeckt sehr, sehr lecker. Auch Kinder lieben “Hekk”.

Hekk für 340 HUF pro 100 Gramm - vorher

Es empfiehlt sich eine Flasche Mineralwasser zu diesem Menü. Nicht nur, um die Schärfe der Apfelpaprika zu neutralisieren, sondern auch, um sich nach dem Essen die Hände zu waschen. Es gibt zwar eine Toilette, aber hey, so ist es viel spannender!

Hekk für 340 HUF pro 100 Gramm - nachher

“Hekk” kostet 340 HUF pro 100 Gramm. Und damit offenbart sich ein weiteres spannendes Kapitel des Ungarnurlaubs: Einkaufen! In Ungarn wird sehr vieles in 10-Gramm-Schritten (auch “deka” genannt) bepreist und verkauft. Man sollte dabei db nicht mit dk verwechseln: db steht für darab und meint “Stück”, wohingegen dk für diese Grammeinheiten steht, meistens angegeben in 100 Gramm, also 10 dk.

Ein anderes spannendes Kapitel beim Thema Einkauf sind die Second Hand Läden: An gefühlt jeder Straßenecke gibt es einen, meistens heißen sie angol ruha, was soviel bedeuten soll, dass es sich dabei um englische Second Hand Klamotten handelt. Wenn ihr euch also immer schon mal gefragt habt, wo eigentlich die ganzen gebrauchten Klamotten laden – vielleicht in Budapest:

WP_20140307_12_44_12_Pro

Ein Pelzmantel für 20 Euro? Schmuck für ein paar Cent? Schuhpreis nach Kilo? Kein Problem! Ein Einkauf in so einem Laden ist wirklich ein Abenteuer. Oft sind diese Läden riesig und gut sortiert nach Männer/Frauen/Kindersachen und dann noch unterteilt in Art der Klamotten (Pullis, Hosen, Oberteile etc.) und dann noch nach Größe. So muss man sich nicht wundsuchen. Und man findet, wenn man etwas Geduld mitbringt, wahre Schätze. Vor allem Kinderklamotten findet man in diesen Second Hand Läden zuhauf. Ein echtes Einkaufsparadies! Besonders schöne Schätze habe ich den Second Hand Läden am Deák Ferenc tér gefunden (Bild oben) und in der Unterführung des Nyugati pályaudvar (Westbahnhof, in Richtung des Eingangs zum Einkaufszentrum “Westend”):

Second Hand Shop bei Nyugati pályaudvar

Von außen betrachtet, sind die Läden oft nicht einladend, aber hey, es lohnt sich wirklich (meistens)!

Budapest ist anscheinend auch die Hauptstadt des “Long Tail”. Da gibt es Läden, das glaubt man nicht. Wofür der gemeine Deutsche sofort bei Amazon schauen würde, gibt es in Budapest für alles ein Spezialgeschäft. Ein Geschäft nur für Rattanmöbel ist ja noch harmlos. Aber…

WP_20140307_09_13_44_Pro

… ein Geschäft nur für Hängematten?

Fachgeschäft für Hängematten

Man munkelt, dass Ungarn auch bald von Amazon erobert wird. Was dann mit diesen kleinen Läden passieren wird, wird wohl spannend. Viele können sich jetzt schon kaum halten und die riesigen Einkaufszentren sprießen immer noch wie Pilze aus dem Boden. Die kleinen süßen Läden geraten also von zwei Seiten unter Druck: Von den großen, auf kleinem Raum hochkonzentrierten Shoppingtempeln und von seiten des Internets, das auch in Ungarn immer dominanter wird.

Übrigens dürfen in Ungarn Tabakwaren auch nicht mehr in normalen Geschäften wie Aldi oder Tesco verkauft werden, sondern nur noch in ”Nemzeti Dohánybolt” (Staatlicher Tabakladen). Zigaretten gibt es dort also nur hinter Milchglas – was vielleicht auch ein Grund dafür sein dürfte, dass es viel weniger Raucher gibt als noch bei unserem letzten Ungarnurlaub. Oder es liegt daran, dass eine Schachtel mit ca. 3 Euro plötzlich sehr viel teurer ist.

WP_20140307_09_34_50_Pro

Und das für Deutsche beste Special zum Thema Einkaufen: Alle Läden haben auch sonntags geöffnet :-)

Alle 11 Tage in Budapest:

Tag 0: Am Flughafen ankommen
Tag 1: Shoppen, Wochenticket, Westend und vergessene Badeanzüge
Tag 2: Aquaworld und Einkaufen
Tag 3: Einkaufen im Markt
Tag 4: Tropicarum und Szimpla Kert
Tag 5: Eleven Park
Tag 6: Spielplatzhopping und die Tücken des Spazierengehens
Tag 7: Király utca, Gozsdu udvar und die Budapester Synagoge
Tag 8: Göd und Einkaufen in Ungarn
Tag 9: Pfannkuchenfrühstück, Feneketlen tó und Patchwork-ÖPNV
Tag 10: Markthalle, Váci utca und Deák Ferenc tér
Tag 11: Zum Flughafen und bye bye Budapest

Budapest mit Kindern: Tag 7 – Király utca, Gozsdu Udvar und die Budapester Synagoge

Eigentlich braucht man nicht immer ein spezielles Kinderprogramm in Budapest. Oft reicht es, einfach so in die Stadt zu gehen, nach Lust und Laune herumzustreifen und sich von Spielplatz zu Spielplatz zu hangeln. Unser Lieblingsspielplatz in der Innenstadt, von dem wir oft unsere Touren starten, ist am Hild tér. Wir steigen also einfach am Deák Ferenc tér aus (da, wo sich die drei Metros kreuzen), frühstücken irgendwo und vertreiben uns etwa eine halbe Stunde die Zeit auf diesem Spielplatz. Auch dieser Spielplatz ist eingezäunt, was den Spielspaß für die Eltern enorm steigert. So muss man nicht ständig das Kind im Auge behalten.

Zwerg auf dem Spielplatz am Hild tér

Und dann geht es ab zur Király utca – Königstraße. Eine sehr schöne, pittoreske Straße voll mit kleinen Läden, Boutiquen, schicken Cafés und Galerien. Hier kann man toll einkaufen und sich mit Inspiration vollsaugen. Auf Höhe der Hausnummer 13 gehts rechts rein in “Gozsdu Udvar” – in die Gozsdu Höfe.

A Gozsdu Udvarban

Hier reiht sich Café an Bar und Restaurant. Abends ist hier die Hölle los. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass man bei “Sörcsata” mit seinem Tisch gegen andere Tische ein gepflegtes Bierwettsaufen veranstalten und damit also andere Tische unter den Tisch trinken kann. Im One More Café treffen sich die Apple-Fans. Dort habe ich das erste und bisher einzige Foursquare-Special in Budapest entdeckt und eingelöst: Ein Glas Alma szörp! Mineralwasser mit Apfelsirup. Juhu! Und spätestens im One More Café ist mir auch klar geworden, was in Budapest zur Zeit ganz groß in Mode ist: Kreidezeichnungen.

Kreidezeichnungen des One More Café

Diese Kreidezeichnungen begleiten uns auf Schritt und Tritt:

WP_20140307_11_28_35_Pro

Wenn man aus den Gozsdu-Höfen rauskommt und nach rechts läuft, stößt man nach kurzer Zeit auf ein interessantes Gebäude. Ich habe es “Monolith” getauft.

Der Monolith in der Innenstadt von Budapest

Dieses Gebäude gehört, ich glaube, zu den Elektrizitätswerken und ist einfach wieder ein anschauliches Beispiel für das faszinierende Nebeneinander der tausend Baustile in Budapest. Denn wenn man sich direkt vor diesem Quader nach links umschaut, sieht es dort so aus:

Innenstadt Budapest

Und wenn man nach rechts schaut, erblickt man den Hinterhof der Budapester Synagoge – Europas größte Synagoge. Und darin den “Baum des Lebens”, ein Mahnmal für all die in Budapest und Ungarn getöteten Juden, über 400.000 Menschen. Man sieht schon von weitem, dass das ein besonderes Werk ist und wenn man an der Synagoge entlangläuft und den jüdischen Friedhof sieht, mit all den Grabsteinen die auf 1944 und 1945 datiert sind, verschlägt es einem die Sprache. In solchen Momenten wird einem wieder klar, dass der Zweite Weltkrieg noch gar nicht so lange her ist. Meine eigenen Eltern wurden mitten in diesem Krieg geboren.

Die Synagoge in Budapest

Die Synagoge ist ein wunderschönes Gebäude und eines Tages, wenn die Kinder größer sind, werden wir sie uns auch von innen anschauen. Wenn man vom Hinterhof der Synagoge, die in einer ruhigen Seitenstraße gelegen ist, in Richtung Vorderseite kommt, tobt hier wieder das Leben. Man wird wieder herausgerissen aus seinen Gedanken und ist plötzlich wieder im Budapest, in dem die Autos und Straßenbahnen lärmen und Menschen mit und ohne Kippa über den Platz wuseln.

Alle 11 Tage in Budapest:

Tag 0: Am Flughafen ankommen
Tag 1: Shoppen, Wochenticket, Westend und vergessene Badeanzüge
Tag 2: Aquaworld und Einkaufen
Tag 3: Einkaufen im Markt
Tag 4: Tropicarum und Szimpla Kert
Tag 5: Eleven Park
Tag 6: Spielplatzhopping und die Tücken des Spazierengehens
Tag 7: Király utca, Gozsdu udvar und die Budapester Synagoge
Tag 8: Göd und Einkaufen in Ungarn
Tag 9: Pfannkuchenfrühstück, Feneketlen tó und Patchwork-ÖPNV
Tag 10: Markthalle, Váci utca und Deák Ferenc tér
Tag 11: Zum Flughafen und bye bye Budapest